Der TV-Twitterer
Twitter bedeutet Echtzeitkommunikation – nirgendwo kann man das besser erleben als im Verlauf einer beliebten TV-Show. Ein Selbstversuch bei „The Voice of Germany“.
Zugegeben: Bisher war ich kein Freund der Multi-Tasking-Welle. Entweder Fernsehgucken oder Twittern. Gut, ich hab auch schon mal nach dem Hashtag #tatort gesucht – aber aktiv dabei war ich mit meinem Account @suhrreal nicht. Als ich dann im TV die eingeblendeten Twitter-Meldungen bei „The Voice“ sah, wurde ich neugierig. Da muss es doch noch viel mehr geben … Mein Selbstversuch begann.
Es war unglaublich, was da alles an Meldungen mit den Hashtag #voice erschien. Einer meiner Follower schrieb sinngemäß: „Bei Twitter unterhalten sich Menschen, die ich nicht kenne, über eine TV-Show, die ich nicht kenne.“ So ähnlich ging es auch mir – nur saß ich vor dem Fernseher, als Michael Schulte „Creep“ anstimmte. @snOwgirl fragte, von wem das Lied sei. Da konnte ich helfen. Radiohead natürlich. Ich schrieb zurück. Ein kleiner Dialog war die Folge. Ja, Pablo Honey heißt die Platte. Gute Musik, ja. Aber es blieb nicht viel Zeit, sich mit @snOwgirl weiter über 90er-Jahre-Songs zu unterhalten. Die nächste Kandidatin war auf der Bühne: Lisa Martine Weller hauchte Junimond ins Mikrofon. Meine Timeline füllte sich mit Lobeshymnen. Ich stutzte: Mehrfach erschien die Band Echt in den Tweets. Als alter Rio-Reiser-Fan musste ich reagieren.
Ich twitterte: „arg! und jetzt noch mal an alle jungen hüpfer da draußen – junimond ist von rio reiser und nicht von echt … #voice“.
Das Ergebnis: Acht Retweets, zwei Responses und vier neue Follower. Einer meiner erfolgreichsten Tweets. Es begann, Spaß zu machen. @Salvas3012 freute sich, dass sie noch ein junger Hüpfer ist und @AvaKatrien schrieb, dass Echt sowieso keiner mehr kenne. Stimmt: Der Wikipedia-Eintrag zeigte, dass sie sich 2002 aufgelöst hätten. Ich twitterte zurück. Doch noch während ich tippte, passierte es: Perceval rockte die Bühne – und Twitter. Ich verschob meine Antwort an @AvaKatrien und lobte den Sänger mit einem Hashtag. Der Paradiesvogel und Favorit der Show schaffte es mit seinem Auftritt nicht nur, dass das Publikum tobte, sondern auch Twitter. Platz eins in den Trending Topics. Nicht schlecht.
Eines muss man „The Voice” lassen: Die Casting-Show nutzt Social Media vorbildlich. Indem im TV auf einzelne Twitter- und Facebook-Postings hingewiesen wird, werden die Zuschauer animiert, sich im Social Web zu engagieren. Gleichzeitig haben viele Kandidaten einen eigenen Twitter-Account und Facebook-Fanseiten. Stellvertretend sei hier Michael Schulte (@schultemusic und facebook.com/schultemusic) genannt – eine klassische Personalisierungsstrategie. Die Inhalte der Show werden geschickt über unterschiedliche Kanäle gespielt, die wiederum miteinander vernetzt sind. Ein gutes Beispiel eines integrierten Kommunikationsansatzes.
Einziger Wermutstropfen: Wie mir einige Kollegen und Freunde erzählten, war wohl das Beschwerdemanagement während der ersten Live-Show am vergangenen Donnerstag nicht zufriedenstellend. Der Vorwurf vieler Twitterer: eine schlechte Tonqualität. @TheVoiceGermany und facebook.com/TheVoiceOfGermany gingen erst relativ spät auf das Thema ein. Hier zeigt sich wieder: Social-Media-Kommunikation ist ein Prozess. Ich bin mir sicher, dass die Kommunikationsverantwortlichen ihre Learnings gezogen haben und beim nächsten Mal zeitnah agieren werden. Am Freitag, am Tag meines Selbstversuchs, war die Tonqualität jedenfalls kaum ein Thema.
TV und Twitter – diese Kombination hat den Abend besonders gemacht. Vielleicht bin ich beim nächsten Mal wieder dabei? Oder beim Tatort? Oder Dschungelcamp? Mein Tipp: Wenn jemand die Mechanismen von Twitter verstehen will, sollte er einmal zu einer beliebten TV-Sendung twittern. Einfach ausprobieren. Es lohnt sich.





No Responses