Sprache in Schieflage – das bügeln wir wieder gerade
Sprache ist der Kleber, der uns zusammenhält. Ohne sie wären wir aufgeschmissen – und wahrscheinlich längst ausgestorben. Sie verändert sich rasant, kennt plötzlich Wutbürger und Auflaufkinder, und füllt Wörterbücher für die Szene und die Jugendlichen. Bei S&L treiben wir die Entwicklungen mit an. Wir schärfen Botschaften und maßschneidern Texte. Wir recherchieren sorgfältig und formulieren verständlich. Weil Sprache unser täglich‘ Brot ist, nehmen wir sie unter die Lupe. Und sind empört.
Kennen Sie das verwüstete Zimmer ? Ein Bild hängt schief und Loriot möchte es mal eben gerade rücken. Ergebnis: Der komplette Raum ist ein einziger Trümmerhaufen. Übertragen auf unsere Sprache könnte man sagen: Schiefe Bilder gibt es in vielen Texten. Wer sie gerade rücken will, kommt in Erklärungsnöte.
Aktuelles Beispiel: Das vieldiskutierte Schicksal des politischen Prestigeprojekts namens „Euro“. Wer soll da noch durchblicken? Von einem „Rettungsschirm“ ist da die Rede, der nun „hochgehebelt“ werden soll. Doch, haste nicht gesehen, machen kurz vor dem „doppelten Euro-Showdown“ einige (gescholtene!) Politiker ihre „Klimmzüge“ am Rettungsschirm, sodass dieser an „Schlagkraft verlieren“ könnte. Das wäre tragisch, denn unsere Kanzlerin könnte nicht mehr „mit breiter Brust“ nach Brüssel reisen. Schlimmer noch: Der „EU-Gipfel“ müsste „um seinen Befreiungsschlag zittern“.
Die Medien sind voll von (schiefen) Bildern. Es entsteht der Eindruck: Je komplexer das Thema, umso verklausulierter die Informationen. Stichhaltige Erklärungen bleiben aus, lautstarke Umschreibungen finden statt. Und der Adressat? Wendet sich kopfschüttelnd ab! Sobald sich der Leser nicht mehr ernst genommen fühlt, setzt Verdrossenheit ein und sein Interesse verebbt. Das ist fatal.
Der Absender muss sich in seine Zielgruppe hineindenken. Was will sie wissen? Was will/kann/darf man ihr sagen? Welche Wirkung möchte man erzeugen? Gerade aus Sicht der PR, bei der es um Imagepflege, Einflussnahme auf die öffentliche Meinung und Schaffung von Vertrauen und Glaubwürdigkeit geht, sind klare Botschaften und aufmerksamkeitsstarke Informationen das Nonplusultra. Wer da von einem „Quantensprung“ spräche, wenn es um die Zulassung eines HIV-Impfstoffes ginge, hätte sein Kommunikationsziel verfehlt.
(Gut, dass es Profis gibt, die das alles wieder gerade-, äh, glattbügeln können.)




One Response
hallo,stephie, schiefe bilder in der öffentlichen sprache, treffend bemerkt. aber gibt es “lautstarke Umschreibungen”?
herzliche grüße,papa