Wikipedia – als Agentur Unternehmen präsentieren?
Wikipedia – jeder kennt es, jeder nutzt es. 70 Prozent aller deutschen Surfer suchen hier Informationen. Aufgrund dieser Nachfrage drängt sich die Frage auf, inwiefern Agenturen ihren Kunden einen Eintrag auf Wikipedia empfehlen sollten? Stellt die Plattform einen Nutzen oder eine Gefahr für das Unternehmensimage dar?
Das Thema Wikipedia beschäftigte am 7. Februar gerade erst das Handelsblatt: Es geht um die Studie zweier US-Ökonomen, die die Objektivität von Wikipedia-Artikeln untersucht haben. Das Ergebnis: Die Artikel sind neutraler als in den vergangenen Jahren, trotzdem lassen sich bei etwa 40 Prozent der Artikel subjektive Züge feststellen. Ein Grund mehr, sich auch mit diesem Thema zu beschäftigen.
In Deutschland steht Wikipedia an sechster Stelle der meist aufgerufenen Websites – hinter Google, Facebook, YouTube und Ebay, aber noch vor bekannten Medienmarken wie zum Beispiel Spiegel oder Süddeutsche Zeitung (vgl. PR Magazin 06/2011). Zudem ist die Online-Enzyklopädie laut Kundenzufriedenheitsranking ACSI die beliebteste Mitmachplattform. Facebook hingegen belegte bei der Befragung den letzten Platz. Ein guter Grund also, als Unternehmen auf Wikipedia vertreten zu sein.
Eine wichtige Frage, die sich PR-Berater daher stellen müssen ist, ob sie das zu vertretende Unternehmen auf Wikipedia präsentieren sollen bzw. ob sie sich an der Darstellung auf Wikipedia beteiligen? Eigentlich kann diese Frage mit einem nein beantwortet werden. Schließlich fordert Wikipedia den „neutralen Standpunkt“ von seinen Autoren. So soll ein Maximum an Autoren einem Artikel zustimmen können.
- Für eine große Gruppe von Wikipedianern bedeutet dies, dass sich Mitarbeiter eines Unternehmens nicht an der Präsentation auf Wikipedia beteiligen sollten.
- Der neutrale Standpunkt sei durch deren Mitwirken gefährdet. Daher lösen Artikel auf der Wissensplattform in puncto Werblichkeit oft Diskussionen aus. Diese können einerseits zu Löschantragen führen und andererseits der Reputation des Unternehmens schaden.
- Auch Wikipedia rät dazu, die Darstellung des eigenen bzw. zu vertretenden Unternehmens Dritten zu überlassen. So soll unnötigen Diskussionen entgegengewirkt und die „intellektuelle Unabhängigkeit“ der User unterstützt werden.
Nichtsdestotrotz ist es für PR-Berater in jedem Fall wünschenswert, sich an der Darstellung eines Unternehmens auf Wikipedia zu beteiligen. Wie sehen mögliche Lösungsansätze in der Praxis aus?
- Wichtig ist vor allem, wie man die Präsentation auf Wikipedia angeht und welches Ziel man damit verfolgt. Die Darstellung muss völlig transparent sein und mit viel Gefühl gehandhabt werden – jegliche Beschönigung muss vermieden werden, nur Fakten sind interessant.
- Der PR-Berater sollte proaktiv seine Position zum Artikelgegenstand offenlegen und auf der persönlichen Benutzerseite für andere User dokumentieren. Das bietet den Wikipedianern ein hohes Maß an Transparenz und Nachvollziehbarkeit.
- Trotzdem setzt sich jeder Berater der Gefahr aus, des „Missbrauchs“ (also der Verfolgung eigener Interessen) beschuldigt zu werden. Relevanz-Diskussionen werden bei der Enzyklopädie ständig geführt. Jeder Nutzer hat das Recht, Artikel zu verändern. Deswegen muss der Verlauf von Diskussionen und die Versionsgeschichte stetig beobachtet werden.
Grundsätzlich bin ich der Meinung, jeder sollte etwas zu einem Artikel auf Wikipedia beitragen, das die Perspektive (natürlich redaktionell neutral) erweitert und so zum Allgemeinwissen beiträgt. Dies ist besonders wichtig, wenn noch niemand etwas über das zu vertretende Unternehmen geschrieben hat. Transparente und nachvollziehbare Quellennachweise sollten immer zur Verfügung gestellt werden.




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